Beteiligung, die Gemeinden bewegt: Wie das SIR Bürger:innen aktiv einbindet
Gemeinden stehen heute vor komplexen Herausforderungen – von Energiewende und Klimaanpassung bis hin zu leistbarem Wohnen und lebendigen Ortszentren. Viele dieser Themen haben eines gemeinsam: Sie gelingen am besten gemeinsam mit den Menschen vor Ort. Genau deshalb spielt Bürger:innenbeteiligung im SIR eine zentrale Rolle.
Wie wollen wir künftig wohnen? Wie gelingt die Energiewende vor Ort? Was braucht ein lebendiger Ortskern? Und wie können Gemeinden zukunftsfit gestaltet werden? Fragen wie diese beschäftigen viele Salzburger Gemeinden – und sie lassen sich nicht allein am Schreibtisch beantworten. Immer wichtiger wird deshalb die aktive Einbindung jener Menschen, die vor Ort leben, arbeiten und ihre Gemeinde täglich erleben.
Im Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen (SIR) ist Beteiligung deshalb weit mehr als nur ein einzelnes Werkzeug. Sie ist ein zentraler Bestandteil vieler Programme und Projekte. Besonders wertvoll dabei: Die verschiedenen Teams im SIR arbeiten fachübergreifend zusammen und verbinden ihre Kompetenzen, um Gemeinden bestmöglich zu unterstützen. So entstehen Beteiligungsprozesse, die nicht nur einzelne Themen behandeln, sondern Gemeinden ganzheitlich weiterentwickeln.
Weißbach als Beispiel für vernetzte Gemeindeentwicklung
Eine Gemeinde, die Bürger:innenbeteiligung erfolgreich umgesetzt hat, ist die Gemeinde Weißbach bei Lofer im Pinzgau. Dort wurde im Rahmen des Programms Zukunftsraum Gemeinde ein umfassender Beteiligungsprozess gestartet. Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern entwickelte die Gemeinde Zukunftsperspektiven und konkrete Projektideen für die kommenden Jahre.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur der Austausch, sondern vor allem die gemeinsame Entwicklung von Lösungen. Bürger:innen diskutierten Themen wie Mobilität, Zusammenhalt, Energie oder Ortsentwicklung und arbeiteten aktiv an Zukunftsprojekten mit. Ergebnisse des Basisprozesses waren unter anderem die Gründung des Sozialvereins „Weißbach hüft zomm“ und die ersten Schritte hin zu einer Aufwertung des Ortskerns – sowie eine lokale Energiegemeinschaft. Bürger:innen wurden dabei aktiv eingebunden und konnten mitgestalten, wie lokal erzeugte Energie künftig gemeinschaftlich genutzt werden kann.
Energiegemeinschaften sind ein wichtiger Baustein der Energiewende: Menschen erzeugen und nutzen gemeinsam erneuerbare Energie und stärken damit regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Das Energiegemeinschaften-Team im SIR unterstützt Gemeinden und Initiativen dabei mit kostenlosen Beratungen, Fachwissen und Begleitung bei Gründung und Weiterentwicklung.
Bürger:innen gestalten Energiethemen mit
Mit seinen Errungenschaften hat Weißbach bei Lofer es geschafft, mit der höchsten Auszeichnungsstufe im e5-Programm für energieeffiziente Gemeinden bewertet zu werden. Die Naturpark-Gemeinde ist bereits seit 1998 im e5-Programm aktiv und hat 2018 ihr fünftes „e“ erreicht.
Auch im e5-Programm spielt Bürger:innenbeteiligung eine zentrale Rolle. Viele Maßnahmen rund um Energie, Mobilität oder Klimaschutz funktionieren langfristig nur dann gut, wenn die Bevölkerung eingebunden wird. Wie lebendig dieser Austausch sein kann, zeigt beispielsweise der e5-Stammtisch in Köstendorf. Dort treffen sich regelmäßig interessierte Bürgerinnen und Bürger, um sich in lockerer Atmosphäre über Photovoltaik, Batteriespeicher, E-Mobilität oder neue Energietechnologien auszutauschen. Persönliche Erfahrungen stehen dabei im Mittelpunkt – niederschwellig, praxisnah und direkt aus dem Alltag. Das Besondere daran: Fragen und Anliegen aus diesen Gesprächsrunden fließen unmittelbar zurück in die Arbeit der e5-Teams und werden fachlich weiterbearbeitet. So entsteht ein direkter Wissensaustausch zwischen Bevölkerung, Gemeinde und Expert:innen.
Auch in der e5-Gemeinde Obertrum wurde Beteiligung gezielt genutzt, um die Bevölkerung in energiepolitische Entscheidungen einzubinden. Im Rahmen der Erarbeitung eines neuen Energieleitbilds lud die Gemeinde gemeinsam mit dem SIR zu einem Beteiligungsabend ein. Bürgerinnen und Bürger diskutierten dort über Themen wie Heizungstausch, Photovoltaik, nachhaltige Mobilität und Bewusstseinsbildung. Moderiert wurde der Abend vom e5-Team im SIR, das sowohl fachlichen Input lieferte als auch den Beteiligungsprozess begleitete. Die Bevölkerung konnte dabei aktiv formulieren, welche Unterstützung sie sich von der Gemeinde für die Energiewende wünscht.
Ortszentren gemeinsam weiterdenken
Wie stark unterschiedliche Fachbereiche im SIR zusammenarbeiten, zeigt sich auch bei der Gestaltung von Ortszentren. In der Flachgauer Gemeinde Nußdorf wurde der Dorfplatz neugestaltet – mit Fokus auf Aufenthaltsqualität, Klimafitness und naturnahe Gestaltung. Dabei arbeiteten gleich mehrere SIR-Bereiche zusammen: Während das Team der Dorf- und Stadtentwicklung die Umgestaltung des Platzes begleitete, unterstützte das Programm Natur in der Gemeinde bei der ökologischen Aufwertung.
Um alle Anliegen vor Ort zu berücksichtigen, wurde hier außerdem mit ortsansässigen Vereinen, Anrainer:innen und Vertreter:innen des örtlichen Nahversorgers zusammengearbeitet. Das Ergebnis: Neue Grünflächen mit Bäumen, Sträuchern und heimischen Blühpflanzen, die nicht nur das Ortsbild verbessern, sondern auch einen Beitrag zur Biodiversität leisten. Statt eines klassischen Zauns trennt nun eine dichte Hecke den Spielplatz von den Parkflächen. Der Dorfplatz wurde damit nicht nur funktional, sondern auch klimafit und naturnah weiterentwickelt.
Bedarfe verstehen
Neben Workshops und Dialogveranstaltungen liefern auch Befragungen und Erhebungen wichtige Grundlagen für zukunftsorientierte Entscheidungen – so wie beispielsweise bei der Wohnbedarfserhebung, wo Bürgerinnen und Bürger direkt zu ihren Bedarfen befragt werden.
Gemeinden stehen zunehmend vor der Herausforderung, ausreichend und gleichzeitig leistbaren Wohnraum zu schaffen. Um bedarfsgerecht planen zu können, braucht es verlässliche Informationen darüber, welche Wohnformen tatsächlich benötigt werden. Das SIR unterstützt Gemeinden dabei mit individuell angepassten Befragungen. Bürgerinnen und Bürger geben anonym Auskunft über ihre aktuelle Wohnsituation, den zukünftigen Wohnbedarf und Anforderungen an ihr Wohnumfeld.
Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für zukünftige Planungen – etwa für Bebauungspläne, Wettbewerbe oder Masterpläne – und helfen Gemeinden dabei, Wohnraumentwicklung gezielt und nachhaltig zu steuern. Bereits umgesetzt wurden solche Erhebungen unter anderem in Thalgau, Strobl und Neumarkt am Wallersee.
Gemeinsam planen, langfristig profitieren
Die Beispiele zeigen: Beteiligung ist im SIR kein isoliertes Thema, sondern verbindet unterschiedlichste Fachbereiche miteinander. Wohnen, Klima, Energie, Nachhaltigkeit und räumliche Entwicklung greifen in Gemeinden oft unmittelbar ineinander – genauso wie die Arbeit der Teams im SIR. Durch diese interdisziplinäre Zusammenarbeit entstehen ganzheitliche Lösungen, die Gemeinden langfristig stärken und gleichzeitig die Menschen vor Ort aktiv einbinden. Denn nachhaltige Gemeindeentwicklung funktioniert am besten dann, wenn sie gemeinsam gedacht und gestaltet wird.








