GNICE – Wohnen am Eichetwald: Ein Quartier, das Maßstäbe setzt
Was entsteht, wenn ein ganzer Stadtteil mitplant? Das zeigt das Salzburger Wohnbauprojekt GNICE: 258 Wohnungen, ein innovatives Energiekonzept und ein Beteiligungsprozess, der Nachbarschaft und künftige Bewohner:innen von Beginn an einbezogen hat, sind das Ergebnis.
Im Salzburger Stadtteil Gneis ist mit GNICE – Wohnen am Eichetwald ein Quartier entstanden, das weit über klassischen Wohnbau hinausgeht. 258 Wohnungen, ein städtischer Kindergarten, eine Krabbelgruppe, gemeinschaftlich nutzbare Räume und eine fossilfreie Energieversorgung machen das Projekt zu einem Vorzeigebeispiel für zukunftsorientierte Quartiersentwicklung. Umgesetzt wurde das Projekt vom Bauträger Heimat Österreich, das SIR-Wohnen-Team hat den Prozess von Anfang an begleitet – beratend, moderierend und qualitätssichernd.
Gemeinsam planen statt gegeneinander
Der Weg zum Quartier verlief jedoch nicht ohne Herausforderungen. Viele Anrainer:innen befürchteten zu Beginn, dass die Eichetwiese durch dichte Bebauung ihren Charakter verlieren würde und bald einem kühlen Betonklotz weichen müsse. Schnell formierten sich zwei Bürger:inneninitiativen gegen das Projekt.
Statt den Konflikt eskalieren zu lassen, setzte die Stadt Salzburg auf einen offenen Dialog. In Informationsveranstaltungen und kooperativen Planungsprozessen wurden Nachbar:innen, Bürger:inneninitiativen und Fachleute frühzeitig eingebunden. Das Ziel war klar: ein Quartier zu entwickeln, das nicht nur dringend benötigten Wohnraum schafft, sondern auch einen Mehrwert für den gesamten Stadtteil bietet.
Unterstützend dazu führten Soziologin Sarah Untner und Raumplanerin Claudia Schönegger eine sozialräumliche Analyse durch. Die zentrale Frage lautete dabei: Was brauchen die Menschen vor Ort? Schnell wurde deutlich, dass es zu wenige Spielflächen gab, öffentliche Aufenthaltsorte fehlten und auch kein Kindergarten und keine Krabbelgruppe vorhanden waren. All diese Bedarfe wurden festgehalten und gemeinsam mit einem Expert:innenteam sowie den Nachbar:innen und künftigen Bewohner:innen in den Masterplan des Wohnprojekts eingearbeitet. Durch einen Architektenwettbewerb wurden drei Architekturbüros ausgewählt, die die 17 Gebäude planten und die Umsetzung begleiteten.
Mehr als nur Wohnraum
Mit insgesamt 17 Gebäuden vereint GNICE nun unterschiedliche Wohnformen unter einem Dach. Entstanden sind 51 Eigentumswohnungen, 69 Baurechtseigentumswohnungen sowie 138 geförderte Mietwohnungen. Davon werden 40 Wohnungen als „Betreutes Wohnen“ und „Stützpunktwohnungen“ von der Caritas Salzburg geführt.
Ein besonderes Projekt innerhalb des Quartiers ist die Baugruppe Silberstreif. Rund 30 Menschen über 50 Jahre haben sich zusammengeschlossen, um dort gemeinschaftlich zu wohnen. Neben den privaten Wohnungen stehen ihnen eine Dachterrasse, eine Sauna und ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung, in dem künftig auch Angebote für den gesamten Stadtteil stattfinden sollen.
Energie neu gedacht
Auch energetisch setzt GNICE neue Maßstäbe: Das Quartier ist das erste Plus-Energie-Quartier in Salzburg und wird vollständig ohne fossile Energieträger betrieben. Ein innovatives Gesamtsystem aus Abwasserwärmerückgewinnung, Erdwärme über Flächenkollektoren und mehr als 500 kWp Photovoltaikleistung auf den Dächern versorgt die Gebäude mit Energie. Das Ergebnis: Hinsichtlich Wärme produziert GNICE mehr Wärmeenergie, als es verbraucht. Die gesamte Anlage ist dank des innovativen Energiekonzepts nahezu vollkommen autonom, CO2-neutral und unabhängig von fossilen Energieträgern.
Bereits während der Planung wurden außerdem Aspekte wie Hitzeschutz, natürliche Durchlüftung und der Umgang mit Starkregen mitgedacht. Das Quartier ist damit nicht nur energieeffizient, sondern auch klimafit geplant.
Ein Gewinn für den ganzen Stadtteil
GNICE wurde nicht nur für die zukünftigen Bewohner:innen geplant, sondern bewusst als Bereicherung für den gesamten Stadtteil Gneis. Die Bedarfsanalyse zu Beginn des Projekts machte deutlich, dass öffentliche Treffpunkte, Spielmöglichkeiten und Kinderbetreuung fehlten. Mit dem neuen Kindergarten, der Krabbelgruppe, großzügigen Freiräumen und Gemeinschaftsangeboten wurden genau diese Lücken geschlossen. Das Quartier schafft damit neue Aufenthalts- und Begegnungsorte, die auch den Menschen aus der Nachbarschaft zugutekommen. Ergänzt wird das Quartier außerdem durch eine Arztordination und einen Weltladen.
Auch hinsichtlich der öffentlichen Anbindung, hat das Projekt GNICE zu einer Verbesserung geführt – für Bewohner:innen und Anrainer:innen. Die Bushaltestelle, die zuvor etwas abseits lag, wurde nun näher an den Kern des Stadtteils gerückt und ist dadurch besser erreichbar.
Das SIR als Partner im gesamten Prozess
Das SIR begleitete das Projekt über viele Jahre hinweg in unterschiedlichen Rollen. SIR-Wohnen-Expertin Inge Straßl war von Anfang an als Mitglied im kooperativen Planungsprozess dabei und moderierte die Steuerungsgruppe. In regelmäßigen Abstimmungen wurden Rückmeldungen aus Beteiligungsformaten gebündelt und in die politischen Entscheidungsprozesse eingebracht.
Darüber hinaus übernahm das SIR die Qualitätssicherung nach dem klimaaktiv-Standard. Sämtliche Gebäude wurden mit klimaaktiv Gold ausgezeichnet. Zusätzlich begleitete das Team die erfolgreiche Greenpass-Zertifizierung, die ebenfalls mit Gold bewertet wurde.
Besonders eng arbeitete das SIR auch mit dem Bauträger und den ausführenden Firmen zusammen. In gemeinsamen Workshops direkt auf der Baustelle wurden Entscheidungen verständlich erklärt, offene Fragen besprochen und gemeinsam Lösungen gefunden. So konnten die hohen Qualitätsziele vom Anfang bis zur Umsetzung transparent vermittelt und umgesetzt werden.
Ein Modell für die Quartiere von morgen
Als Teil des europäischen Forschungsprojekts Syn.ikia liefert das Quartier wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung von Plus-Energie-Quartieren im kontinentalen Klima. Gemeinsam mit Partnerprojekten in Norwegen, den Niederlanden, Spanien und Österreich entsteht so Wissen, das weit über Salzburg hinaus Wirkung entfalten wird.
GNICE zeigt eindrucksvoll, wie leistbarer Wohnbau heute gelingen kann: mit frühzeitiger Bürger:innenbeteiligung, innovativen Energiekonzepten, vielfältigen Wohnformen und einer Planung, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie in der Broschüre „GNICE – Wohnen am Eichetwald“.



