Salzburger Wohnbausymposium 2026 zeigt neue Wege für zukunftsfähigen Wohnbau
Kleinere Haushalte, ältere Gesellschaft, vielfältigere Lebensentwürfe: Das Salzburger Wohnbausymposium 2026 zeigte, wie innovativer Wohnbau auf diese Veränderungen reagieren kann – und warum Gemeinschaft dabei eine Schlüsselrolle spielt.
Wie verändert sich unsere Gesellschaft und welche Auswirkungen hat das auf das Wohnen in Salzburg? Dieser Frage widmete sich das Salzburger Wohnbausymposium 2026 am 27. Mai. Unter dem Titel „Das Leben ist keine Musterwohnung – Innovative Wohnkonzepte jenseits von 08/15“ widmete sich das Programm den steigenden Anforderungen an den Wohnraum und das Wohnumfeld durch die älter werdende Gesellschaft und vielfältigere Lebensentwürfe.
„Die aktuellen Wohnbedarfsprognosen zeigen deutlich, dass sich die Anforderungen an den Wohnraum verändern: Haushalte werden kleiner, die Bevölkerung älter und Lebensmodelle vielfältiger. Umso wichtiger ist es, Wohnbaupolitik vorausschauend und bedarfsgerecht zu gestalten“, so Wohnbaulandesrat Martin Zauner in seiner Eröffnungsrede und weiter: „Das Salzburger Wohnbausymposium bietet dafür eine wichtige Plattform. Es bringt Fachwissen, Praxisbeispiele und neue Perspektiven zusammen und zeigt auf, wie leistbares, nachhaltiges und sozial wirksames Wohnen gelingen kann – in der Stadt ebenso wie in den Gemeinden des Landes Salzburg.“
Wohnraum braucht Vielfalt
Durch die Veranstaltung führte Moderator Wojciech Czaja. Nach den Begrüßungsworten der politischen Vertreter:innen widmetet sich der erste Block des Symposiums den gesellschaftlichen Veränderungen und den daraus entstehenden Anforderungen an den Wohnraum.
Der Soziologe Christoph Reinprecht eröffnete das Symposium mit einem Impulsvortrag zum demografischen und sozialen Wandel. Er zeigte auf, dass Österreich zwar stark altert, gleichzeitig aber durch Zuwanderung wächst. Entscheidend für das Wohnen ist dabei weniger die reine Bevölkerungsentwicklung als der tiefgreifende Strukturwandel des Alterns: Lebensphasen differenzieren sich stärker aus, Lebensentwürfe bleiben länger offen, Einpersonenhaushalte nehmen zu und die Vielfalt sozialer Milieus wächst.
Mit der steigenden Lebenserwartung erhöhen sich die Ansprüche an Selbstbestimmung, Mitgestaltung und flexible Wohnbiografien bis ins hohe Alter. Neue Wohnarrangements – von gemeinschaftlichen Wohnformen über Generationen-Patchwork bis hin zu multilokalen Lebensweisen – gewinnen an Bedeutung.
Clusterwohnungen für mehr Flexibilität
Claudia Thiesen stellte die innovativen Wohnformen junger Schweizer Genossenschaften und den Trend der sogenannten Clusterwohnungen vor. Diese erstmals 2012 in der Siedlung Heizenholz der Zürcher Genossenschaft Kraftwerk1 realisierte Wohnform kombiniert private Wohneinheiten mit gemeinschaftlich genutzten Räumen und gilt als Antwort auf den soziodemografischen Wandel.
Clusterwohnungen schaffen flexible Wohnstrukturen zwischen Rückzug und Gemeinschaft und tragen wesentlich zur Diversifizierung des Wohnungsangebots bei. Die Projekte zeigen, wie kompakte Wohnungen durch geteilte Flächen erweitert werden können und wie durchlässige Wohnstrukturen Begegnung, Austausch und Mitgestaltung im Quartier stärken.
Im Anschluss stellten Julia Armstorfer (SIR) und Sarah Untner (raumsinn) die Wohnbedarfserhebungen als Grundlage für bedarfsgerechte Planung vor. Systematische Wohnbedarfsanalysen helfen Gemeinden, reale Zielgruppen und Bedürfnisse zu erkennen und Projekte fundiert, effizient und langfristig tragfähig zu entwickeln.
Gemeinschaftliche Wohnprojekte umsetzen
Der zweite Block der Veranstaltung widmete sich realisierten Projekten und räumlichen Potenzialen im ländlichen und urbanen Raum. Peter Zoderer von feld72 demonstrierte mit Beispielen aus Südtirol, wie gemeinschaftliches Wohnen am Land gut gelingen kann. Aufgrund knapper Siedlungsflächen, starkem Tourismus und steigender Wohnkosten steht Südtirol unter hohem Nutzungsdruck. Gemeinschaftliche Wohnprojekte zeigen hier neue Wege: Verdichtete, autofreie Siedlungen mit gemeinschaftlichen Freiräumen fördern Nachbarschaft und soziale Begegnung, ohne Gemeinschaft zu erzwingen. Der Vortrag machte deutlich, dass insbesondere im ländlichen Raum mutige Planung, partizipative Prozesse und der bewusste Umgang mit öffentlichem Grund zentrale Hebel für zukunftsfähiges Wohnen sind.
Der darauffolgende Vortrag von Karin Kieslinger (EGW Erste Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft) beleuchtete gemeinschaftliches Wohnen im urbanen Raum am Beispiel von Baugruppenprojekten. Baugruppen und gemeinschaftliche Wohnformen reagieren auf den Wunsch nach aktiver Nachbarschaft, Mitgestaltung und „Dorfgefühl in der Stadt“. Gleichzeitig bringen sie hohe organisatorische Anforderungen mit sich – etwa bei Grundstückssuche, Finanzierung und Gruppenprozessen. Praxisbeispiele der EGW zeigen unterschiedliche Modelle, von selbstorganisierten Wohnprojekten bis zu Bauträger-initiierten Gemeinschaftsformen, die neue Formen des Zusammenlebens mit gemischten Wohn- und Nutzungskonzepten verbinden.
Zum Abschluss fand eine moderierte Publikumsdiskussion mit den Vortragenden unter der Moderation von Wojciech Czaja statt. Dabei wurden die zentralen Themen des Symposiums nochmals zusammengeführt und im Hinblick auf ihre Bedeutung für zukünftige Wohn- und Stadtentwicklung reflektiert.
Das Symposium machte deutlich: Zukunftsfähiger Wohnbau bedeutet, das Zusammenspiel von Wohnen, Gemeinschaft und Nachbarschaft neu zu denken.














